Yves Rosenthaler

Tattoo-Artist & Siebdrucker / St.Gallen



www.kreatyves.ch
November 2014

Unser Spaziergang etwas ausserhalb der St.Galler Altstadt in Richtung Westen lohnt sich. Wir sind unterwegs zu einem Fabrikgebäude, indem wir zu unserem nächsten Interview eingeladen sind. Es ist Abend und im Herbst sind die Sonnentage nun spürbar kürzer geworden. Schade. Unser Interview findet im unteren Stock des Gebäudes statt. Hier teilt sich Yves Rosenthaler mit sieben anderen Künstlern ein grösseres Atelier. Wir stellen fest, dass die Sonne hier auch scheint, wenn es draussen noch so dunkel ist. Im Hintergrund säuselt Britpop aus einem lustigen Radio, das irgendwie an ein Manga-Tierli erinnert. Yves Rosenthaler begrüsst uns herzlich. Wir sind begeistert von der Location, aber auch von unserem Interview-Gegenüber.

Was dürfen, müssen und sollten wir über dich wissen, Yves?

Ich mache beides – tätowieren und siebdrucken – sehr gerne und mit viel Leidenschaft. Die beiden Tätigkeiten haben vieles gemeinsam und erlauben es trotzdem, sich unterschiedlich kreativ auszuleben. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich meine Tage kreativ gestalten und leben kann. Ich kann nicht genau sagen, was ich lieber mache … wenn ich aber ehrlich bin, dann ist das Tätowieren die grössere Einnahme-Quelle für mich. (lacht!) Ich habe vor meinen Tattoo-Jahren als «Architectural lighting designer» gearbeitet und bin dann plötzlich in die Welt des Tätowierens eingetaucht. Seit dem fasziniert mich die Kunst unter der Haut und ich liebe meinen Beruf als Tätowierer. Nebst der Tatsache, dass ich mich kreativ ausleben und verwirklichen kann, versuche ich täglich mein Bestes um meine Kunden mit meiner Arbeit glücklich machen zu können.

Kannst du uns verraten, was du in deinem jungen Leben schon alles gemacht hast?

Ich komme ursprünglich aus Rheinfelden, wo ich direkt neben der Feldschlösschen-Brauerei aufgewachsen bin. Seit gut fünf Jahren lebe ich nun in St.Gallen. Dazwischen gab es unzählige Zwischen-Wohnstationen. Ich bin sehr oft umgezogen. Mit 16 Jahren habe ich angefangen zu zeichnen. Während eines Austauschjahres in Kanada, besuchte ich für ein halbes Jahr den Kunstunterricht, was mich bis heute sehr prägt und begleitet. Gelernt habe ich Stromer. Nach meiner Lehre habe ich mein Nachdiplomstudium begonnen. Nachdem ich ein paar Jahre als Lichtdesigner gearbeitet hatte, lies ich meinen Oberarm tätowieren. Das war im Studio «On Point», in dem ich heute als Tätowierer arbeite. Dazwischen habe ich noch einige illegale Parties organisiert und mit Kollegen noch zwei kleine Firmen gegründet. Mit der einen haben wir T-shirts bedruckt, mit «Nekkish» haben wir Schmuck designt. Die Geschäftsideen haben wir dann aber irgendwann aus zeitlicher Knappheit wieder aufgegeben. Erst vor zwei Jahren habe ich das Siebdrucken für mich wieder neu entdeckt. Und es bereitet mir sehr viel Freude.

Was machst du am liebsten, wenn du von deinen zwei Arbeitswelten erzählst?

Das Projekt fertigstellen ist schon sehr spannend. Aber auch der Beginn eines Projekts mit der gesamten Vorbereitung bereitet mir viel Freude. Wenn mir die Kunden den gewünschten Freiraum und ihr Vertrauen schenken, ist das wirklich etwas Wunderbares und das Endresultat wird somit auch viel besser. Sei es beim Tätowieren oder beim Siebdruck auf dem gewünschten Materialträger.

Gibt es ein «Traum-Sujet», das du gerne mal stechen möchtest?

Dies wären zum Beispiel mehr Sujets auf dem Handrücken. Das ist für mich persönlich das «Filet» für eine Tätowierung. Diese Stelle ist sehr exponiert und somit auch nicht direkt jedermanns Sache. Für mich persönlich ist es etwas sehr Bedeutsames.

In deinen Arbeiten ist eine bestimmte Farbe immer wieder zu sehen. Gibts dafür eine Bedeutung?

Mint-Grün, Schwarz und Grau ergibt für mich eine sehr stimmige Kombination, die deshalb in einigen meiner Werke vorkommt. Die Farbe ist ein Fluch und zugleich ein Segen für mich (lacht)! Wenn diese Farbe immer wieder zu sehen ist, hat das wirklich einen grossen Wiedererkennungswert. Irgendwie hat es etwas Marketingtechnisches, was aber absolut nicht meine Absicht war.

Du bist nicht klassisch gelernter «Kreativer». Was meinst du, kann man Kreativität lernen?

Das ist eine schwierige Frage. Zeichnen kann man lernen, gewisse Menschen können jedoch ihre linke Gehirnhälfte besser nutzen. Dadurch fällt es denjenigen leichter, Zusammenhänge und Kompositionen zu verstehen und umzusetzen. Den gestalterischen Vorkurs habe ich nie besucht und ohne den hat man in der Schweiz ja eher Mühe ernst genommen zu werden. Dadurch hatte ich stärker den Druck mich zu beweisen und zu verbessern. Ich bin aber mittlerweile ziemlich zufrieden mit meinem Output. Steigern kann und will ich mich natürlich immer.

Verrätst du uns: Was (er)weckt die Kreativität in dir?

Es ist der Ehrgeiz noch besser zu werden. Der Perfektionismus – noch schneller, noch besser zu werden. Und das alles in einem gesunden und menschlichen Mass. Natürlich auch der Wunsch, etwas Schönes zu kreieren und auf den Punkt zu bringen. Somit stecke ich auch sehr viel Zeit in die ganze Aktivität. Es soll jedenfalls anders sein. Schön für mich, aber ganz klar auch für den Kunden. Sei es beim Tätowieren oder beim Siebdrucken. Es gilt für beide Welten dasselbe.

Was prägt dich kreativ stärker: das Siebdrucken oder das Tätowieren?

Hmm … der Siebdruck. Ich bin beim Siebdruck quasi mein eigener Kunde. So kann ich gut mal auch etwas länger an einer Arbeit dran sein und experimentieren. Ich muss mir so aber auch mal eher selber Druck machen. Beim Tätowieren ist es der Kunde, der ein Ergebnis sehen will. Er bringt mir schliesslich auch sein Geld. So bin ich dann irgendwie auch zeitlich etwas eingeschränkt. Bis ich das definitive Sujet gezeichnet habe, benötigt es viel Vorarbeit. Im Vergleich muss ich sagen, dass ich doch beide Welten gleich stark gewichten möchte.

Gibt es für dich eine Philosophie, einen Leitspruch der dich durch dein Leben begleitet?

Für mich ist es wichtig, offen zu sein für andere Kulturen und Ansichten. Während meiner Reisen hat mir diese offene Kultur-Ansicht sehr viel geholfen und es hat sich sehr vieles einfacher gestaltet. Seinem Gegenüber immer mit Respekt zu begegnen ist sehr wertvoll. Die eigene Komfortzone öfters mal verlassen um Neues zu entdecken. «Live your dream» wollen wir ja alle aber man muss schliesslich auch hart dafür arbeiten.

Sind deine Siebdrucke Einzelexemplare oder druckst du jeweils eine bestimmte Anzahl davon?

Eine bestimmte Stückzahl wird schon gedruckt. Bis ca. 5-15 Exemplare pro Sujet. Die Auflage bestimme hauptsächlich ich. Es ist selten, dass direkt ein Interessent auf mich zukommt und eine Bestellung aufgibt. Momentan bin ich grad an einer Plakat-Serie für einen Tattoo-Kunden, was mir viel Freude bereitet.

Gibt es Orte, Locations an denen man deine Siebdruck-Werke kaufen kann?

Ja, gibt es, in Gallerien zum Beispiel. Vielfach kaufen Tattoo-Kunden ein Werk von mir, das sie direkt anspricht. Der Cash-for-Trash ist für mich ebenfalls eine sehr gefreute Sache. Sehr gerne würde ich meine Werke auch einmal an der Limited in Zürich ausstellen, diese ist aber soviel ich weiss nur alle zwei Jahre … ich bleib da aber dran.

Und wo können Interessierte deine Werke kaufen oder bestellen, wenn du nicht grad in Gallerien oder Ausstellungen vertreten bist?

Auf meiner Website www.kreatyves.ch sieht man all meine Werke digital oder bei einem Besuch bei uns im Tattoo-Shop und dann berate ich den Interessenten auch sehr gerne und freue mich natürlich.