Sylvia Geel

Grafikerin und Illustratorin / Heiden



www.sylvia-geel.ch
August 2012

Ein atemberaubendes Panorama mit Blick auf den Bodensee und die hügeligen Ausläufer des Appenzellerlandes öffnet sich. Sylvia Geel lebt zusammen mit ihrer Familie in einem renovierten Bauernhaus hoch über den Dächern von Heiden. Im kleinen und fein eingerichteten Atelier geht sie ihrer Passion, der Malerei, nach. Auffallend sind die illustrierten und sehr detaillierten Portraits verschiedener Persönlichkeiten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Die Liebe zum Detail ist in ihren Werken spürbar. Jeder Pinselstrich ist wohlüberlegt und ein Ausdruck von Gefühlen und Emotionen. Die gelernte Grafikerin belegt ein kleines Pensum als Dozentin an der Schule für Gestaltung und arbeitet unter der Woche in St.Gallen als selbstständige Grafikerin.

Deine Arbeit ist sehr vielschichtig. Mit welcher Rolle deines kreativen Schaffens kannst du dich am meisten identifizieren. Mit der Grafikerin, der Künstlerin, der Dozentin, der Illustratorin oder der Bildhauerin?

Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Je nach Projekt bin ich mehr die Grafikerin, die Illustratorin oder die Malerin. Das bildnerische Schaffen ist ein Prozess, der mich immer begleitet.

Was fasziniert dich Tag für Tag an der kreativen Arbeit?

Das Gefühl, wenn die Idee sich manifestiert. Dieses Kribbeln und die Energie sind unbeschreiblich.

Eine Zeit lang hast du in Brasilien gelebt und gearbeitet. Welche Erfahrungen hast du aus dieser Zeit mitgenommen?

Was mich in Brasilien besonders beeindruckt hat, sind die Menschen. Die Fröhlichkeit und die Lebenslust waren immer und überall spürbar. Dann natürlich das tropische Klima und die Farbigkeit, das Licht. Ich erinnere mich an meine Rückkehr in die Schweiz. Das war im Mai. Mir fiel das fehlende Licht auf. Ich hatte das Gefühl, es würde nie richtig Tag werden.

Wo holst du dir die Inspiration für deine Arbeit im Atelier?

Inspiration gibt es überall. Eine Idee gibt die nächste. Häufig habe ich Eingebungen in der Nacht, im Schlaf. Das sind meistens Ideen mit Bestand. Zur Regeneration unternehme ich ausgedehnte Spaziergänge in der Natur und lasse mich dabei von ihr auch wieder inspirieren.

Welches Projekt trägst du schon lange im Hinterkopf – oder welches Projekt würdest du in ferner Zukunft gerne realisieren?

«Kunst am Bau». Gern würde ich wieder ein solches Projekt realisieren können. Die dritte Dimension ist spannend und Architektur interessiert mich sehr.

Ist es schwierig, Zeit für die Malerei zu finden nebst deiner Tätigkeit als Grafikerin?

Das, würde ich sagen, ist die grösste Schwierigkeit. Ich löse das Problem, indem ich gezielt auf Ausstellungen hinarbeite. Dann muss ich mir einfach die nötige Zeit dafür nehmen.

Wie definiert sich der Begriff „Kunst“ mit deinen Worten? Welche Merkmale macht ein Werk zu Kunst?

Kunst kommt von «Können». Und «Können» verlangt eine intensive Auseinandersetzung mit einer Sache, einem Thema. Diese kann intellektuell, handwerklich oder beides in Kombination sein. Die Intensität und die Energie, die in einem Werk stecken, sind spür- und sichtbar und machen ein Werk, aus meiner Sicht, zur Kunst.

Was liegt dir neben deiner Leidenschaft als Gestalterin noch am Herzen? Ein Ausgleich zum kreativen Schaffen?

In Bewegung bleiben, geistig und körperlich. Freundschaften pflegen, Filme und Ausstellungen ansehen oder ein spannendes Buch lesen. Letzteres am liebsten am Strand und bei Sonnenschein.