Pedro Lehmann

Musiker / Altstätten



www.pedrolehmann.com
August 2013

Altstätten, St.Galler Rheintal. Am Bahnhof stehen zwei junge Herren. Irgendwie ahnt man es: Das muss «Pedro Lehmann» sein. In einem grossen Fabrikgebäude im Untergeschoss drücken die beiden Herren gegen die Tür und voilà ihr Proberaum. Der Raum ist nicht sehr gross, hat ein kleines Fenster, einen Salontisch, ein Sofa und drei Sessel. Nebst den Möbeln, die zum Chillen einladen, stehen ein Schlagzeug, Gitarren, Verstärker, Mikrophone und weitere Musik-Utensilien im Raum. Die beiden jungen Herren haben extra alles sauber gemacht und aufgeräumt. Anscheinend war es längst bitter nötig, denn beide lachen! Es dauert nicht lange, bis Pedro Lehmann seine Weste ablegt und ganz Ohr für das Interview ist. Das Highlight lässt aber bis zum Schluss auf sich warten: eine Live-Darbietung von «Hurricane» vor kleinstem Publikum.

Inspiration? Oder Ausgleich zum Arbeitsalltag. Wie seid ihr zusammengekommen?

Sven (Schlagzeuger) hatte bereits in jungen Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen. Während der Oberstufenzeit spielte er in einer anderen Band. Yannick hatte sich damals alleine in ein Zimmer zurückgezogen und arbeitete an seiner Musik. Er überreichte Sven und dem Bassisten der anderen Band ein eigens aufgenommenes Demo-Tape, mit der Bitte, dieses anzuhören. Kurze Zeit später war eine neue Band gegründet worden. Hörte man den Namen ‚HospitalFood‘, so wusste man, welche Personen dahinter steckten. Irgendwann stieg einer der drei Musiker aus. Ein halbes Jahr lang wurde nicht mehr musiziert. Aus der Not heraus – kein neues und drittes Bandmitglied war aufzufinden – riefen wir, Yannick und Sven, die Band zu zweit unter einem neuen Namen ins Leben. Nachdem wir einige Zeit im Proberaum unsere Songs für eine aus zwei Instrumenten bestehende Band geschrieben und auf ihre Tauglichkeit getestet hatten, spielten wir wieder mehrere Konzerte und veröffentlichten Anfang 2013 unsere EP «Lost Control». Wir sind zufrieden mit dem Duo und würden momentan auch niemanden in unsere Band aufnehmen.

Seit 2010 gibt es euch, unter dem Künstlernamen Pedro Lehmann. Wer ist Pedro Lehmann genau?

Wir wollten mit unserem Bandnamen eine fiktive Person erschaffen, die nur existiert, wenn wir zwei zusammen musizieren. Jedoch sollte man in einen Bandnamen auch nicht zu viel hineininterpretieren. Die einzige wirkliche Verbindung zu uns in diesem Namen ist, dass der zweite Vorname von Yannick Pedro lautet.

Welche Bedeutung hat das Fabelwesen auf eurer ersten CD «Wolf und Adler»?

Eine Kollegin von uns hat über fünfzig solcher kombinierter Tierillustrationen gezeichnet. Die Kombination dieser beiden Tiere ist uns sofort ins Auge gesprungen und wir fragten sie, ob wir dieses Fabelwesen für die Band benutzen dürften. Wolf und Adler haben beide etwas Mystisches an sich. Sie sind geduldige Wesen und haben noch mehr solcher Charakteristiken, die zum Teil auch auf unsere Musik zutrifft. Und zusammen ist das Fabelwesen wieder eins – wie Pedro Lehmann.

Wer und was inspiriert euch zu Musik? Ist es die Melancholie allgemein oder die Tagesgeschichten von euch und euren Mitmenschen?

Es fliesst alles etwas zusammen. Wir hören beide sehr viel Musik von den verschiedensten Künstlern, was uns zum grossen Teil inspiriert. Wenn wir zusammen jammen – am Proben sind – ergibt sich plötzlich ein Teil für ein Liedstück. Dann versuchen wir, die Passage zu wiederholen und lassen sie in bestehendes Material einfliessen oder es ergibt sich etwas ganz Neues. Es sind zum grossen Teil Songs/Texte die uns beschäftigen. Stimmungen, Erlebnisse aus unserem Alltag, was wir gesehen, erlebt und unternommen haben. Viele Hörer unserer Musik haben oft das Gefühl, Pedro Lehmann wirke mit seiner Musik melancholisch und traurig. Dem ist überhaupt nicht so. Überall, in jedem Song, ist die Hoffnung zu hören und spürbar. Es geht immer aufwärts. Pedro Lehmann macht positive Gefühlsmusik mit viel Energie. Mit dieser Art von Musik können wir unserem Publikum immer wieder eine andere Welt zeigen, was für uns sehr spannend ist.

Wie steht ihr zu eurer eigenen Musik?

Wir machen Musik, die uns persönlich gefällt! Es ist eine Mischung aus Alternative Rock und Singer-Songwriter-Elementen. Hinter unserer Musik steht kein Masterplan. Wir machen keine Musik für bestimmte Nischen und (über)produzieren unsere Songs auch nicht extra für das Radio. Es ist schön, Leute zu erreichen mit der Musik, die wir machen. Uns freut das riesig!

Wie entstehen eure Lieder generell? Ist es ein Ausprobieren oder sind die Ideen fix im Kopf?

Es ist von allem etwas. Früher sind die Songtexte eher zu Hause geschrieben und anschliessend in der Probe ausprobiert und verfeinert worden. Die Songs für das neue Album entstehen zur Zeit dagegen eher beim Jammen im Proberaum.

Was hört sich Pedro Lehmann an, wenn sie nicht selber der eigenen Musik lauschen?

Wir hören viel und vor allem auch viel unterschiedliche Musik, wenn wir nicht gerade selber am Musizieren sind. Musik von David Bowie, Bob Dylan, Eels, Arcade Fire, The National, Radiohead, The Black Keys, Nick Cave & the Bad Seeds… und vielen, vielen anderen Künstlern. Sie alle haben einen grossen Einfluss auf uns und unseren Sound.

Ihr investiert viel Zeit. Was soll in Zukunft kommen?

Unser nächster Schritt wird sein, unser erstes Album aufzunehmen. Die Arbeit daran hat bereits begonnen: Songwriting, am Albumsound tüfteln, Team zusammenstellen etc. Dies benötigt viel Zeit und ist aufwendig, was wir fürs Erste etwas unterschätzt haben. Wir investieren sehr viel Zeit in die Musik, das stimmt. Es ist auch immer mehr dazu gekommen. Wenn man etwas aus Leidenschaft macht, stellt sich einem aber nie die Frage, ob sich der Zeitaufwand lohnt oder nicht. Natürlich tut er das! Wir lieben es Musik zu machen.

Wie und was wird mit Pedro Lehmann in fünf Jahren sein?

Das Ziel sollte sein, immer noch die Musik zu machen, die uns gefällt. Mit dem gleichen Enthusiasmus und derselben Freude am Werk zu sein, wie wir es heute sind. Es soll für uns kein Muss und Zwang werden, Musik zu machen und damit viel Geld verdienen zu müssen.