Michael Risch

Illustrator / Vilters



www.michaelrisch.li
November 2013

Schön, wenn die Sache mal umgekehrt ist. Der Illustrator Michael Risch wurde auf Ateliervisite aufmerksam und nicht wir auf ihn! Umso schöner war es, dass wir zu ihm nach Vilters reisen durften. Sein Zuhause befindet sich mitten in einem gemütlichen Wohnquartier – am Fusse des Pizols – in einem schmucken alten Haus mit einer spannenden Familien-Geschichte, frisch umgebaut und gepflegt – halt wie aus dem Trückli. Der Vorplatz und Hauseingang sind geordnet und jedes Detail hat seinen Sinn und Zweck – Stilleben vor, aber auch hinter der Tür. Der junge Illustrator freut sich sehr über unseren Besuch und bittet uns herzlich in die Küche. Das Interview, wozu wir genussvoll Kaffee trinken, findet in der lichtdurchfluteten Wohnstube statt. Sehr schön ist es hier!

Vilters – nicht zwingend der besagte Puls von hippen Kreativen. Wovon lässt du dich inspirieren?

Ich bin in Eschen, im Fürstentum Liechtenstein aufgewachsen. Auf der anderen Seite des Rheins. Nach der Lehre war ich ‚hungrig‘ und wollte meine Erfahrungen im Ausland sammeln, was mir gelang. Ich konnte in London, Stuttgart, Zürich und Chur arbeiten. Es waren Stationen, die mir alle sehr viel an Inspiration und Wissen mitgaben. Seit ich wieder in meiner Heimat bin, besuche ich von hier aus verschiedenste Städte, Vernissagen und Kulturveranstaltungen. Es fällt mir sehr leicht neue Menschen kennen zu lernen und den Kontakt mit ihnen aufrecht zu erhalten. All diese Begegnugen verbunden mit Besuchen in Schweizer Städten, aber auch jene im Ausland, sind die unterschiedlichsten Inspirationsquellen für mich. Die wichtigste Quelle ist aber meine Heimat, wo ich aufgewachsen bin. Mit ihr bin ich verbunden und meinen Wurzeln sehr nah. Meine Werke basieren alle auf Handzeichnungen, die ich am Computer einfärbe. Sie veranschaulichen oft heimische Tiere und Gegenstände aus Grossvaters Zeiten.

Woher kommt die Bekanntheit zu deiner Person, deines Tuns?

Ich konnte mal an Kollektiv-Ausstellungen teilnehmen. Das kann aber kaum der Grund sein. Ich bin ein offener Mensch und lerne gerne neue Menschen kennen. Es interessiert mich, was sie tun und wer sie sind. Mein Kollegen- und Bekanntenkreis ist somit auch sehr gross. Es ist ein Glück, dass ich in meinem jungen Alter bereits einer Riesenmenge von interessanten, spannenden und kreativen Persönlichkeiten begegnet bin. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie verteilst du dein Zeitpensum auf all deine verschiedensten Arbeiten?

In Chur arbeite ich als Grafiker bei der miux. Da arbeite ich die offiziellen und vorgeschriebenen Stunden, was mir auch viel Freude bereitet. Die Zeit für meine privaten Projekte fehlt mir oft. In meiner Freizeit investiere ich aber viel Zeit dafür. Nur so viel aber, dass ich den Bogen nicht überspanne. Die Zeit, die mir zur Verfügung steht, nutze ich sinnvoll. Jede Zugfahrt wird mit Skizzieren genutzt. Nur aus dem Fenster zu schauen macht für mich keinen Sinn. Wie auch in den Fernseher – lieber koche ich, halte das Haus sauber, skizziere, verbringe Zeit mit meiner Freundin, zeichne oder widme mich einem meiner nächsten Illustrations- oder Mal-Projekte. Seit ich hier wohne, habe ich endlich einen gesunden Rhythmus für mich und mein Umfeld gefunden.

Sprayen wird in der Gesellschaft eher negativ wahrgenommen. Wie ist deine persönliche Definition?

Für mich ist es ein Malen. Ich nenne es nicht Sprayen oder Grafitti. Schliesslich ist es dasselbe, wie wenn ich auf einem Keilrahmen male, nur sind die Dimensionen der Malfläche grösser. Das Malen an der Wand birgt mehrere Herausforderung in sich; wie hoch komme ich mit dem Roller, den Farbdosen, wie gehe ich mit den Farbverläufen um? Und beim Malen mit den Dosen gibt es nur eine kleine Auswahl an Farbnuancen – ein Blau ist und bleibt Blau. Da ist die grafische Arbeit am Computer schon viel einfacher und austauschbarer. Schlussendlich macht es der Charakter und die Materialisierung des Gesamten aus. Das Malen an der Wand ist für mich ein Kontrast zum grafischen Alltag, der mir sehr viel bedeutet.

Du bist Illustrator. Ist dies deine Hauptleidenschaft im Alltag?

Es ist eine Mischform – ich bin ‚freier Illustrator‘ und Grafiker. Es ist nicht ganz dasselbe, aber es passt für mich, wenn ich auch als Illustrator wahrgenommen werde. Für mich ist es wichtig, dass ich vielseitig sein kann, dass meine Arbeit nicht eingeschränkt wird. Die Entgegennahme von Aufträgen, die Erarbeitung und die Umsetzung von Konzepten – diese Mischung ist wichtig für mich! Die Arbeit als Grafiker gefällt mir sehr gut, aber auch das grosszügige Malen an den Wänden. Die Tendenz ist, dass ich natürlich viel mehr Zeit im Büro verbringe. Hätte ich die Wahl, würde ich lieber mehr Wände bemalen... und lacht!

Du hast bestimmt Vorbilder, von denen du begeistert bist. Kopierst du Elemente von ihnen für deine Arbeiten?

Ja, das gibt es. Vorbilder im eigentlichen Sinn habe ich aber nicht. Ich lasse mich von einer breiten Palette verschiedenster Künstler inspirieren. Viele davon sind aus der Schweiz (Bern, Basel, Zürich). Ich kann allerdings keine einzelne Person herausheben. Wenn ich Arbeiten von Künstlern sehe, die mir gefallen, überlege ich, was mir an diesem Stil gefällt. Sind es die Pinselstriche? – ist es die Umsetzung von schwarz-weiss? – Etc... Die Art, das heisst die Techniken, mit welchen beim Malen etwas umgesetzt wird, ist sehr spannend und fasziniert mich an den einzelnen Künstlern.

Hast du mit deinen Arbeiten bereits an Ausstellungen mitgewirkt?

Nein, nicht richtig. In Zürich habe ich vor längerer Zeit bei einer Sammel-Ausstellung meine wenigen Arbeiten ausgestellt. Generell würde ich gerne einmal eine Ausstellung machen. Auf meinem Blog sind meine Arbeiten virtuell ausgestellt. Irgendwann eine Ausstellung in besonderer Umgebung zu zeigen, ist mein Ziel. Im Ausland habe ich meine Spuren mit dem Bemalen von Wänden hinterlassen und so wiederum Interessierte gewonnen, die meine Arbeiten auch im Blog verfolgen.

Mit deinen Arbeiten – Illustrationen und Malereien – verdienst du damit Geld?

Es ist nicht in meinem direkten Interesse, meine Arbeiten zu verkaufen. Mir geht es darum, dass ich meine Arbeiten verbreiten kann und diese bei Betrachtern Freude finden. Dass es aber Käufer gibt, die bereit sind für meine Arbeit etwas zu bezahlen, finde ich eine schöne Geste. Wenn Firmen oder Privatpersonen wünschen, dass ich eine Fassade male, ist es für mich eine Ehre.

Dürfen wir Einblick in deine Zukunft haben? Wie wird diese aussehen?

Das Arbeitsumfeld ist mir sehr wichtig. Der Kontakt mit den verschiedensten Arbeitskollegen ist ein wichtiger Austausch für mich. Somit will ich den Kontakt mit der Arbeitswelt immer beibehalten. Ich will kein Künstler-Freak werden. Die Zeit, die ich mit Malen und die Zeit mit Freunden und Familie verbringe, will ich weiterhin im Gleichgewicht behalten. Wie es dann genau kommt, weiss ich nicht.