Lukas Schneeberger

Künstler / St.Gallen



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Juni 2013

Hinter dem Bahnhof St.Gallen wohnt der gelernte Lehrer in einer kleinen Jugendstilwohnung. Das Ess- und Wohnzimmer dient täglich seiner Malerei. Pinsel, Leinwände, Farbbehälter und anderes Malzubehör liegen verstreut am Boden. Grosse Bilder zieren die Wände. Tierschädel, schwarze Federn und Glasgefässe stehen auf der Fensterbank und auf dem Tisch. Der 30-Jährige malt in seiner Freizeit am liebsten grossformatige Bilder auf Papier.

Wie kann man sich deine Kunst vorstellen? Wie würdest du sie beschreiben?

Meine Bilder zeigen Momentaufnahmen von Menschen in gewissen Situationen, selten Gegenstände. Mich interessiert der Mensch als Figur, aber auch der Augenblick, in dem der Mensch eine Handlung ausübt. Häufig lasse ich mich von Fotos inspirieren. Aber auch von Situationen, die ich beobachtet habe. Ich betreibe sozusagen Feldforschung und halte die Erkenntnisse in meinen Bildern fest. Manchmal entstehen daraus einzelne Skizzen, manchmal auch zehn bis 20 Bilder. Das können lineare Zeichnungen mit schwarzer Tusche aber auch aufwändige Collagen oder farbige Bilder sein. Oft verwende ich für eine Serie dieselbe Technik. Danach lässt mich diese Thematik wieder los und ich befasse mich mit etwas Neuem.

Was ist Kunst für dich? Und was bedeutet Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft?

Ohne Kunst und Kultur würde die Gesellschaft zu Grunde gehen. Deshalb ist es enorm wichtig, dass Kunstschaffende die Möglichkeit haben, sich selbst zu verwirklichen. In der Stadt. St.Gallen ist das in den letzten Jahren schwieriger geworden. Es fehlt beispielsweise an Räumlichkeiten für Ateliers. Wie sollen sich die Menschen weiterentwickeln können, wenn ihnen der Platz dazu fehlt? Das finde ich besorgniserregend.

Gibt es einen Künstler oder ein Kunstwerk welches dich sehr beeindruckt?

Die Bilder von Peter Doig und Daniel Richter faszinieren mich. Generell interessiere ich mich sehr für zeitgenössische Kunst und besuche viele Ausstellungen im Umkreis von St.Gallen. Für spezielle Ausstellungen reise ich auch gerne etwas weiter. Bilder im Original zu sehen ist für mich immer wieder beeindruckend, vor allem grossformatige.

Würdest du dich als Künstler bezeichnen?

Das Wort Künstler ist eine Bezeichnung, die man von der Gesellschaft erhält und sich nicht selber geben kann. Ich glaube nicht, dass man sich zu einem Künstler ausbilden lassen kann. Wenn man etwas Bestimmtes sieht, etwas dabei spürt und dies auf seine Art ausdrucken kann, zählt der Prozess und das Schaffen, und es ist schlussendlich egal ob sich derjenige Künstler nennt oder nicht. Also nein, ich würde mich selbst nicht als Künstler bezeichnen. Ich bin finanziell auch nicht auf das Malen angewiesen. Ich lebe nicht davon und würde das auch nicht wollen. Ich sehe mich eher als Tagebuchgestalter. Jemand der Situationen/Themen, welche einem spontan in den Sinn kommen, auf Papier bringt. Ich verspüre einen inneren Drang zu malen. Ich gestalte in erster Linie für mich und nicht für die Aussenwelt. Deshalb besitze ich auch kein persönliches Portfolio, mit dem ich von Galerie zu Galerie wandere. Ich reibe meine Bilder niemandem unter die Nase.

Was inspiriert dich?

Ich finde vor allem ökologische Nischen interessant. Menschen, die in der Öffentlichkeit einen Raum einnehmen und sich auf eine bestimmte Weise verhalten. Wie zum Beispiel Menschen im Nachtleben. Dieses Phänomen finde ich sehr spannend und super zu beobachten. Eine Zeit lang habe ich auch nach dem Ausgang gemalt. Mit schwarzer Tusche und ziemlich schnell. Als Inspiration dienten dann die Geschehnisse der Nacht. Ich male selten etwas Privates, sondern mehr was ich sehe. Meine Probleme werden nicht auf Papier gebracht.

Würdest du im Auftrag Kunst machen?

Es ist schon vorgekommen, dass ich für Freunde kleinere Aufträge umgesetzt habe. Bei Auftragsarbeiten ist mir wichtig, dass ich freie Hand habe und mir das Projekt gefällt. Schwierig finde ich, wenn der Auftraggeber etwas ganz konkretes von mir erwartet. Wenn der Auftrag lautet, ich solle ein Portrait oder ein bestimmtes Tier malen, habe ich damit Mühe. Für mich ist es einfacher, wenn man mir ein Thema vorgibt.

Hast du Ziele mit deiner Malerei? Eine Ausstellung?

Ich will meine Bilder gerne ausstellen. Jedoch würde ich nie eine eigene Ausstellung organisieren. Falls jemand Freude an meinen Arbeiten hat und diese ausstellen will, bin ich gerne dazu bereit. Schön wäre es, wenn ich bei der Auswahl der Bilder mitreden könnte. Mit meinen Arbeiten Erfolg zu haben, steht für mich nicht an erster Stelle.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Definitiv in einer grösseren Wohnung mit mehr Stauraum. Denn bei mir zu Hause wird es langsam eng. Meinen grossen Durchbruch werde ich wahrscheinlich nach meinem Tod haben, wenn jemand im Keller meine Bilder findet. Nein, Spass bei Seite. Was ich in zehn Jahren mache hat nichts mit meiner Malerei zu tun. Es passiert was passiert. Jedoch wird das Malen immer ein wichtiger Teil von mir sein und bleiben.