Ladina Bischof

Fotografin / St.Gallen



www.ladinabischof.ch
März 2014

Eigentlich müsste in dieser Jahreszeit eine herrlich weisse Decke über der Klosterstadt liegen – es ist mitten im Winter – aber es regnet. Ein trüber Tag. Nach draussen geht nur, wer muss und rettet sich dann schnellstmöglich wieder ins Trockene. Macht uns aber im Moment nichts aus, denn wir dürfen gleich eintauchen in eine Welt voll farbiger Bilder, Fantasie und Wärme. Durch den Innenhof sehen wir das einzige einladende warme Licht aus dem Studio-Fenster von Ladina Bischof leuchten. Sie winkt und lächelt uns durch den Innenhof entgegen. Die Tropfen vom Schirm schütteln und schon geht die Türe auf – ein herzlicher Empfang, wie sie vor uns steht und uns hereinbittet.

Von der Polygrafin zur Fotografin. Stimmt das?

Eigentlich wollte ich immer Grafikerin werden, habe aber den Vorkurs nicht bestanden. Deshalb habe ich dann in einer Druckerei den Beruf der Polygrafin erlernt. Heute bin ich froh, diesen Weg gegangen zu sein. Die Ausbildung als Polygrafin kommt mir in der Fotografie zugute. In einer Werbeagentur bin ich später immer mehr in die Kreation miteinbezogen worden. Schon damals war die Kamera immer ein wichtiger Begleiter. Nebenbei fotografierte ich vermehrt auf Partys. Daraus entstanden dann private Aufträge. Die Fotografie wurde zum Mittelpunkt meiner kreativen Arbeit und ich hatte immer mehr das Bedürfnis, mich ausschliesslich darauf zu konzentrieren.

Was ist das Spannendste, das du im letzten halben Jahr gemacht hast?

Die Frage ist schwierig zu beantworten. Jeder Fototermin ist auf seine Weise speziell und einmalig. Besonders hat mir aber der Tag mit der Familie Schweizer gefallen. Ich begleitete die junge Bauernfamilie von ihrem Zuhause aus an eine Viehschau.

Gibt es für dich bevorzugte Sujets, die du festhalten willst?

Für mich ist es wichtig, dass meine Bilder authentisch und nicht inszeniert wirken. Gerade bei Aufnahmen mit Menschen ist für mich Natürlichkeit eine Voraussetzung. In meiner Arbeit will ich das wahre Leben festhalten. Ich mag keine Effekthascherei. Egal ob Architektur, Portraits oder Still-Lifes, ein konsequenter und disziplinierter Bildaufbau ist für mich entscheidend. So bekommen meine Bilder trotz des emotionalen Gesamteindrucks etwas Grafisches. Ich will mich inhaltlich nicht auf etwas Bestimmtes fixieren – jeder neue Job ist sowieso wieder anders als der letzte. Ausserdem spielt für mich das Zwischenmenschliche eine wichtige Rolle.

Ein weiteres Projekt, welches du gerne fotografieren möchtest?

Die Welt eines Theaters. Das Licht mit der gesamten Stimmung und der Dramatik, die sich daraus ergibt finde ich unglaublich schön. Der Aufbau hinter der Bühne bis zum Auftritt – das fasziniert mich. Aber auch eine Modeschau wäre interessant. Backstage ist es immer sehr hektisch. Die Natürlichkeit und persönliche Schönheit der Models wird durch Farbe und Kostüme verändert und in Szene gesetzt.

Deine Kunden? Kunterbunt gemischt oder aus einer bestimmten Sparte?

Die meisten meiner Aufträge ergeben sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Deshalb ist es wohl doch eher eine bestimmte Sparte. Mir bereitet es Freude, meine Arbeit nicht kommerziell anbieten zu müssen. Es kommen jene Kunden zu mir, die zu mir und meinem Schaffen passen. Es ist wie in einer Beziehung – zu jedem Topf passt auch ein Deckel.

Was treibt dich an, in deiner Arbeit kreativ zu sein?

Ich schaue gerne Filme. Oft würde ich bestimmte Szenen im Film gerne stoppen. Diese Art von Moment versuche ich in meiner Fotografie zu übersetzen. Ich lasse dem Betrachter Raum, damit er die ganze Welt rund um das Bild selbst ausmalen kann. Es sind am Ende die einfachen Situationen aus dem Alltag, die meine Kreativität anregen.

Lieber Studioaufnahmen oder unterwegs beim Kunden?

Unterwegs beim Kunden. Das Arbeiten im ‚Freien‘ mit natürlichem Licht ist spannend und passt auch zu meinem Bildstil. Es können immer wieder neue Kulissen und Objekte ins Bild miteinbezogen werden. So entsteht etwas Einmaliges. Ich weiss aber noch nicht, wie sich meine Arbeit in Zukunft entwickeln wird. Portraits im Studio aufzunehmen ist auch sehr faszinierend.

Gibt es Unterschiede von ‚dir‘ zu ausgebildeten Fotografen?

Unterschiede im eigentlichen Sinn nicht. Jeder Fotograf hat seinen eigenen Bildstil. Die einen sind technisch sehr versiert und auf dem höchsten Stand von Fotografiewissen. Andere sind sehr kreativ und haben ein gutes Gefühl für den richtigen Moment, den spannenden Blick. Jeder Fotograf ist für sich in seinem Bereich stark. Ich habe mich vor einem halben Jahr dafür entschieden, den Lehrgang HF Fotografie und Video in St.Gallen zu besuchen. Diesen Entscheid fällte ich nicht wegen mangelnder Kompetenz, sondern weil mir im Berufsalltag die Selbstreflexion, das Experimentieren und das Arbeiten in einem Team fehlte. Innerhalb des Studiums kann ich auch mal Dinge ausprobieren, die ich im Berufsleben nicht kann. Das ist ein wichtiger Faktor zur Weiterentwicklung der eigenen Fotografie.

Was soll kommen und sich weiterentwickeln?

Meine Fotografie soll sich weiterentwickeln. Der Zeitgeist spielt dabei eine wichtige Rolle. Es gibt auch hier wie in der Mode und in der Grafik Trends, die weiterentwickelt werden sollen und müssen.