Fässler & Horst

Film / Fotografie / Basel



faesslerundhorst.ch
September 2014

Nicht alle Tage fährt man nach Basel. Umso mehr freuten wir uns, Fässler&Horst genau dort besuchen zu dürfen, wo sie kreativ an Film und Fotografie arbeiten. In einer von Wohnblöcken umgebenen Seitenstrasse finden wir den Eingang zum Atelier. Gespannt warten wir an der Tür und werden herzlich von Brigitte und Gianni empfangen.

Kaum ins Atelier gekommen, steigt einem der Geruch von Farben und Lösungsmitteln in die Nase. Bevor man ins Atelier von Fässler&Horst gelangt, passiert man zuerst die mobile Siebdruckstation von ihrem Atelier-Kollegen Gaspard Weissheimer. Überall stehen Siebdruckfarben, neue und gebrauchte Siebe und sonstige Utensilien, die fürs Siebdrucken benötigt werden.

Im hinteren Teil des Raums befindet sich das Atelier von Fässler&Horst. Dank der grossen Fenster der ehemaligen Garage ist der Raum lichtdurchflutet. Das Atelier ist schlicht eingerichtet. Im Raum stehen Klappstühle, ein Holztisch, Sessel, Sofa, Bürotische und einige Regale. Diverse Arbeitsmuster zieren die Wände. Auf der anderen Seite des Raums gelangen wir in den grossen Innenhof und fühlen uns wie in einem Garten. Überall schlingen sich Pflanzen an den Wänden hoch. Ein paar Stühle und ein Tisch laden zum Verweilen ein. Genau das  machen wir dann auch. Unser Interview geht los, mitten in der Stadt Basel und doch so ruhig in einem kleinen Innenhof-Garten.

Wie entstand das Label Fässler&Horst? Was ist die Philosophie dahinter?

Wir haben uns während dem Studium am Hyperwerk in Basel kennengelernt und verschiedene Projekte gemeinsam realisiert. Aus dieser Zusammenarbeit entstand das Label Fässler&Horst. Wir wollen uns und unsere Arbeit immer weiterentwickeln, experimentieren, Neues erforschen und bei jedem Projekt und Auftrag ein eigenständiges Werk schaffen.

Wovon lässt ihr euch inspirieren?

Inspiration kann grundsätzlich von allem ausgehen. Wenn man aufmerksam ist und offen für das Beobachten, dann kann man in jedem Raum eine Stimmung schaffen, die einem die Ideen nur so zufliegen lässt.

Kunst bedeutet für euch...

Hmm ... viele seltsame Dinge, die sich seltsame Leute ausdenken (lacht). Nein im Ernst, wir haben ein zwiegespaltenes Verhältnis zur Kunst. Einerseits distanzieren wir uns davon, da wir Dienstleistungen anbieten und uns selbst auch mehr als Dienstleister sehen, andererseits haben unsere Arbeiten sicher auch künstlerische Einflüsse und Aspekte. Und dann gibt es immer wieder Kunstwerke, die uns sehr ispirieren und uns zum Weitermachen anregen. Wenn ich genau überlege: Zur ersten Definition (seltsame Sachen, die sich seltsame Leute ausdenken) passen wir wohl selbst auch (lacht).

Gibt es für euch auch Vorbilder – habt ihr welche?

Ja, gibt es. Woodkid zum Beispiel. Wie er durch das Zusammenspielen von Musik und Videos – die sich gegenseitig unterstützen – eine eigene Welt schafft, ist sehr beeindruckend.

Wie sieht ein Arbeitstag bei Fässler&Horst aus?

Der kann so ziemlich alles beinhalten: sitzen, reden, konzeptionieren, reisen, organisieren, planen, Offerten und Rechnungen schreiben, Material besorgen, Storyboards erstellen, filmen, fotografieren, Projektionen einrichten, schneiden... unglaublich vielseitig eben.

Wie sieht eure Arbeitsaufteilung aus? Wer ist für welche Bereiche zuständig?

Grundsätzlich arbeiten wir bei Videos und grösseren Projekten meistens zusammen und entscheiden auch gemeinsam. Bei Shootings macht meistens Brigitte die Kamera und ist für das Bild zuständig. Gianni schmeisst die Produktion. Kommen noch andere Arbeitsabläufe dazu, dann übernimmt derjenige, der die Kompetenzen dazu hat. Konkret heisst das: Für die Umsetzung von Sounddesign, Live-Videos und Projektionen ist Gianni zuständig und für Fotografie und Kostüme Brigitte. Oft arbeiten wir zusätzlich noch mit Spezialisten wie Lichtdesignern, Typographen, Konzeptern, Musikern und anderen Künstlern aus unserem Netzwerk zusammen.

Ihr seid ziemlich vielseitig tätig. Wie kam es, dass ihr euch nebst der Fotografie auch auf Film und Kostüme spezialisiert habt?

Brigitte: Eigentlich entstand es in einer etwas anderen Reihenfolge. Mit Fotografieren habe ich vor über vierzehn Jahren begonnen. Am Anfang waren dies in Schuhschachteln gebastelte kleine Welten, die ich fotografisch inszenierte. Während meinem Erststudium der Lehrberufe für Gestaltung und Kunst-, entwarf ich dann einige Kostüme und inszenierte diese mittels Fotografie. So kam die Fotografie und das Kreieren von Kostümen zusammen. Das Medium Film kam erst später, während dem Studium am Hyperwerk, dazu.

Gianni: Ich komme ja aus dem Visual Jockey Bereich und habe mich stark mit bewegten Bildern und Live Visuals auseinandergesetzt. Film interessierte uns beide sehr. Uns schreckte jedoch die Tatsache ab, dass wir mit unserem Studentenbudget kaum die nötige Bildqualität erreichen würden. Um dieses Dilemma zu umgehen, haben wir unser erstes Musikvideo dann nicht gefilmt, sondern mittels Stop Motion aus Einzelfotografien aufgenommen. Mit dem Aufkommen der DSLR-Kameras und deren Bildästhetik, die schon sehr nah an Fotografien herankommt, fokussierten wir uns danach vermehrt auf Film-Arbeiten. Mittlerweile kommen alle Arbeits-Bereiche, in denen wir uns bewegen, im Film zusammen. So bedienen wir uns bei unseren Videos häufig der Fotografie, Stop Motion oder Projektionen als Stilmittel. Wir inszenieren Räume und Menschen und kreieren selbst Kostüme, sowie das Sounddesign und die Musik.

Was war euer spannendster Auftrag?

Da wir in ganz unterschiedlichen Kontexten arbeiten, wie z.B. in KMU's aber auch grösseren Firmen, bei kulturellen Projekten oder mit Künstlern und Bands, bekommen wir Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche und arbeiten dadurch auch mit den unterschiedlichsten Personen zusammen. Das macht das Ganze sehr abwechslungsreich. Neben Shootings im Studio-, arbeiten wir auch sehr oft vor Ort oder begleiten Künstler und Musiker. So begleitete Brigitte beispielsweise den Männerchor «Männerstimmen Basel» mit der Kamera an die World Choir Games in die USA, oder wir wohnten für die Dreharbeiten für den neuen Spielfilm von Michael Finger in einem alten Schloss in Frankreich. Dank diesem Erlebniss wissen wir nun auch, dass es in Schlössern sehr kalt werden kann. (lacht) Inhaltlich wird es dann spannend, wenn wir die Freiheit bekommen, zu experimentieren und Neues auszuprobieren. Glücklicherweise kommt das oft vor!

Seid ihr noch für weitere Projekte tätig oder gibt es nur das Atelier für euch?

Gianni: Ich habe mit zwei Freunden noch ein audiovisuelles Projekt, das in den Startschuhen steckt, und Brigitte ist neben den Filmprojekten mit fotografischen Arbeiten voll ausgelastet.

Brigitte, du kreierst nebenbei auch ziemlich aussergewöhnliche Kostüme. Woher kommen deine Ideen?

Das ist eigentlich ähnlich wie bei den Videos oder inszenierten Fotografien. Zum Beispiel beim Kleid mit den grünen Punkten: Da war klar, dass ich ein Kleid zum Thema «Verbindungen» entwerfen wollte. Ich experimentierte mit allerlei Materialien. Schliesslich entstand die Idee dann aber in einem ganz anderen Kontext. Ich besuchte parallel einen Kurs, in dem wir mit Kunsstoffen arbeiteten. Da tropfte etwas Epoxidharz auf die Unterlage, genau auf ein Stück Draht, das dort lag. Die Idee war geboren. Sie musste nur noch auf das Kleid übertragen werden. So entstand das Kostüm.

Fertigst du die Kostüme alle selber oder lässt ihr diese nach euren Ideen schneidern?

Die erarbeite ich grundsätzlich alle selber. Nur genau das oben erwähnte Kleid konnte ich nicht selber fertigstellen, da ich auf das Material eine üble allergische Reaktion bekam. Die Kostüme sind jedoch eher Prototypen und nicht alltagstauglich. Es sind eher Objekte, die auf Fotografien oder Videos inszeniert werden. Der Bereich der Kostüme hat sich auch etwas ausgeweitet. So entwerfe ich nicht nur Kostüme, sondern auch ganze Körperinszenierungen. Ein Beispiel: Für den Musik Video-Clip von Ils sont fous – 45 Degré klebten wir Hunderte von Reissnägeln auf die Gesichter und Körper der Statisten und des Sängers.

Wo seht ihr Fässler&Horst in 10 Jahren?

Hoffentlich an einem Punkt, den wir uns zum jetztigen Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen können. Wir möchten uns und unser Label weiterentwickeln und offen sein für Neues. Grundsätzlich ist es unser Ziel, von den Aufträgen und Projekten leben zu können, bei denen wir unser ganzes Herzblut einbringen können.

Ihr habt den Basler Filmpreis 2013 und 2014 gewonnen. Was bedeutet das für euch und welche Türen öffnen sich?

Ob und welche Türen sich dadurch öffnen, wird sich zeigen. Es ist auf jeden Fall eine schöne Bestätigung unserer Arbeit – gerade auch deshalb, weil die beiden ausgezeichneten Clips – Ils sont fous und Tin Tin Arbeiten sind, in die wir viel Herzblut gesteckt haben.