Bureau Collective

Grafikstudio / St.Gallen



www.bureaucollective.ch
März 2013

Das Bureau Collective ist ein Grafikstudio aus St.Gallen, das hauptsächlich im kulturellen Feld tätig ist und 2009 von Ollie Schaich und Ruedi Zürcher gegründet wurde. Zusammen mit ihren Freunden Larissa Kasper, Rosario Florio (Kasper-Florio), Samuel Bänziger, Olivier Hug (Bänziger Hug) und Dominic Rechsteiner teilen sie ihre Passion und bilden eine Ateliergemeinschaft, die interdisziplinär Projekte im Bereich der visuellen Kommunikation umsetzt. Die «Büros» funktionieren unabhängig voneinander und haben doch die Möglichkeit, Ideen gemeinsam zu besprechen oder die Infrastruktur gegenseitig zu nutzen. Neben der Arbeit liegt dem Team viel an der Kameradschaft und so wird im Studio gekocht, auf der Veranda gegrillt oder am Wochenende zusammen ein paar Bier getrunken. Was sie verbindet, ist der gemeinsame Wille, Spass an der Arbeit zu haben und Produkte herzustellen, in denen Herzblut steckt.

Wie entstand das Bureau Collective? Was ist eure Philosophie?

Wir kennen uns schon lange. Beide absolvierten eine Lehre zum Polygrafen und teilten schon früh eine ähnliche Leidenschaft. Via Skype schickten wir uns immerzu Schriften, Bilder und Musik hin und her. Nach dem Studium nahmen wir an einem Wettbewerb teil. Bei dieser Zusammenarbeit entstand die Idee, ein gemeinsames Büro zu gründen. Nach ein paar Jahren Berufserfahrungen suchten wir nach geeigneten Räumlichkeiten. Unsere Philosopie ist es, Freude an unserem Job zu haben und ein Stück Persönlichkeit in unsere Produkte zu flechten.

Sagt ihr «Nein» zu Kunden, bei denen ihr das Gefühl habt, es passe nicht?

Vielleicht hätten wir dies in der Vergangenheit öfters tun sollen. Heute fällt es uns weniger schwer, «Nein» zu sagen. Anfangs fehlten uns wichtige Erfahrungswerte, was wir oft teuer mit Lehrgeld bezahlen mussten. Dafür sind wir aber auch dankbar.

Könnt ihr euch eure Kunden aussuchen?

Soweit sind wir noch nicht, dass wir nur interessante Aufträge umsetzen könnten. Auf unserer Website präsentieren wir jedoch nur ausgewählte Arbeiten, um ähnliche Kunden und Projekte anzuziehen. Wir sind ein junges Büro, hatten bisher aber das Glück, nie aus Auftragsnot aktiv Kunden akquirieren zu müssen. Um etwas zielgerichteter vorzugehen, könnten wir uns aber gut vorstellen, künftig Akquise zu betreiben. Bis jetzt sind praktisch alle Aufträge über Mund-zu-Mund-Propaganda entstanden.

Bleibt viel Zeit für Freizeit, wenn man so viel Herzblut in seine Arbeit steckt?

Für uns ist die Grenze von Arbeit zu Freizeit fliessend. Natürlich gibt es schönere und weniger spannende Aufträge; aber in erster Linie freuen wir uns, unabhängig zu sein und selbst entscheiden zu dürfen. Dass wir unser Hobby im Beruf ausüben können und morgens gerne zur Arbeit kommen, ist ein Privileg, das wir zu schätzen wissen. – Auch wenn man dafür einige Opfer erbringen muss.

Wo seht ihr euch in 5 Jahren?

«Ich sehe Ollie mit Zwillingen in den drei Weieren Bier trinken, während er mit dem iPhone seine Termine koordiniert.» (lacht) Es wird sich wahrscheinlich nicht viel ändern. Unsere Abläufe werden sich noch verbessern, aber wir beide verfolgen nicht das Ziel, eine grosse Agentur zu werden. Schliesslich weiss man nie, was kommt. Jetzt sind wir jung und unabhängig und unser Studio hat erste Priorität. Das kann sich ändern, grade wenn man an eine eigene Familie denkt. Schön wäre es, künftig mehr Bücher oder Branding-Aufträge umzusetzen, oder generell langlebige Produkte. Wobei Plakate natürlich genauso spannend sind.

Sind euch Trends wichtig?

Trends sind uns nicht unwichtig. Wir möchten aber unbedingt Dinge produzieren, die zum Kunden passen und eine adäquate Botschaft kommunizieren. Wir versuchen die Trends zu verstehen und unsere Arbeiten so zu gestalten, dass sie länger leben als ein Trend.

Was bedeutet es euch, das Büro mit euren Freunden zu teilen?

Das bedeutet uns sehr viel. Es befruchtet unsere Arbeit, macht Spass und stärkt gleichzeitig den Teamgeist. Wir sind wie eine kleine Familie und unternehmen auch privat viel miteinander.

Habt ihr Vorbilder?

Ja schon. Es gibt viele Gestalter die uns beeindrucken. Natürlich schauen wir auch zu Menschen hoch, deren Stärken nicht unbedingt in der Grafik liegen. Persönlichkeiten aus einem ganz anderen Feld können genauso inspirierend sein.

Was war bis jetzt für euch das Schönste oder Spannendste, das ihr machen durftet?

Dance de Constance ist eine Arbeit, die wir beide gut finden. Lustigerweise kommt gerade dieses Projekt bei vielen nicht so gut an. Uns gefällt die Konsequenz. Das Konzept könnte einfacher nicht sein und besteht letztlich nur aus einer Schrift und zwei Farben. Wenn wir mit dem Kunden auf einer Wellenlänge sind, wirkt sich das in der Regel positiv auf das Projekt aus. Für Sandra und Sabine von Glory Hazel zum Beispiel, ist gutes Bildmaterial nicht weniger wichtig als uns. Sie wollen das Beste für das Produkt und nicht unbedingt den grössten finanziellen Ertrag. Wenn wir dieses Feuer beim Kunden spüren, sind wir glücklich und motiviert. Wenn der Kunde ein schlüssiges Konzept nicht pflegt und weiterzieht, schmerzt das. Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn man seine eigenen Arbeiten draussen hängen sieht, oder wenn Druckerzeugnisse geliefert werden. Wenn der Drucker jeweils mit einer neuen Lieferung klingelt, fühlt es sich an, als würden wir schön gestapelte Goldbarren erhalten. Dies ist für uns schliesslich wertvoller als ein dickes Portemonnaie.

Was ist das Erste, das ihr macht, wenn ihr am Morgen ins Büro kommt?

Wir checken unsere Mails und trinken einen Kaffee. Morgens reden wir in der Regel nicht sehr viel, da wir beide eher Nachtaktiv sind.

Wo findet ihr am besten Ideen?

Wir finden am besten zu Lösungen, wenn jeder für sich zuerst Ideen sammelt und wir dann in einem zweiten Schritt darüber sprechen. Später recherchieren wir breit und schauen, welche Produkte der Kunde führt und wie die Konkurrenz auftritt. Für uns ist es hilfreich, einander auch unausgereifte Ideenansätze vorzustellen. So kann darüber diskutiert werden und möglicherweise resultieren aus diesem Gespräch weitere Lösungswege. Wir lassen uns für die Ideenfindung viel Zeit. In dieser Phase unter Druck zu arbeiten, ergibt aus unserer Sicht keinen Sinn. Es lähmt unsere Kreativität, wenn wir die Uhr ticken hören.

Seid ihr euch über eure Ideen immer einig oder gibt es da oft Unstimmigkeiten?

Falls wir uns über eine Idee nicht einig werden können, muss diese nochmals überarbeitet werden. Im schlimmsten Fall werfen wir eine Münze. Das kam allerdings erst einmal vor. (lacht)